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Nach der Barbarei

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Gewalt in Friedenszeiten: Deutschland nach 1945

Wolfgang Knöbl zeichnet in seinem Standardwerk nach, wie sehr selbst die eher friedlichen letzten acht Jahrzehnte deutsch-deutscher und gesamtdeutscher Geschichte von Gewalt und den Debatten über diese geprägt waren. Eine gleichermaßen wissenschaftliche wie schriftstellerische Meisterleistung, die einen neuen Blick auf die jüngste deutsche Geschichte freilegt.

Gerade im Rückblick ist es überraschend, wie schnell sich in Deutschland nach Holocaust und Zweitem Weltkrieg nach der Barbarei vergleichsweise friedliche Verhältnisse eingestellt haben. Zwar war das Ausmaß staatlicher Repression in West- und Ostdeutschland sehr unterschiedlich, aber die Alltagsgewalt pendelte sich in beiden Teilen Deutschlands sehr schnell auf dem (niedrigen) Niveau der Nachbargesellschaften ein. Um das zu erklären, analysiert Wolfgang Knöbl auf einer einmaligen Quellengrundlage das Zusammenspiel zwischen staatlicher und privater Gewalt, behandelt gleichgewichtig die Entwicklungen in der DDR und der BRD zwischen 1949 und 1990 und arbeitet die Besonderheiten des Gewaltgeschehens nach der Wiedervereinigung heraus. Mit Fokus auf tödliche Gewalt werden Alltagsverbrechen ebenso zum Thema wie polizeiliche Gewalt, rechter wie linker Terrorismus werden ebenso diskutiert wie fremdenfeindliche Attacken und gewaltsamer Protest im Kontext von Atomkraftwerken und Hausbesetzungen oder die zunehmende gesellschaftliche und mediale Sensibilität bezüglich häuslicher Gewalt. Da Knöbl auch die Entstehung und Entwicklung der staatlichen Gewaltinstitutionen wie des Militärs untersucht, ergibt sich zudem ein Einblick in jüngste außenpolitische Debatten, die auch heute (wieder) aktuell sind.

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