Was bedeutete Bürgersinn im Kontext der nationalsozialistischen »Volksgemeinschaft« zwischen Verfolgung, Anpassung und Indienstnahme?Seit ihrer Gründung 1816 fördert die Polytechnische Gesellschaft Bildung, Wissenschaft und Kultur in Frankfurt am Main. Der wohltätige Verein, zu dessen Tochterinstituten unter anderem die Frankfurter Sparkasse von 1822 gehörte, zeichnete sich anfangs durch eine liberal und demokratisch eingestellte Mitgliederschaft aus. Was geschah mit dieser altehrwürdigen Institution und ihren Angehörigen während der nationalsozialistischen Diktatur? Was bedeuteten Bürgersinn und Wohltätigkeit im Kontext der »Volksgemeinschaft«?Mittels institutionsgeschichtlicher und biografischer Ansätze analysiert János Varga systematisch das Verhältnis der »Polytechnischen« zum Nationalsozialismus von den 1920er Jahren an und spannt den zeitlichen Bogen bis in die 1960er Jahre, um nach Kontinuitäten und Brüchen zu fragen. Im Fokus stehen sowohl das Schicksal jüdischer und aus anderen Gründen verfolgter Polytechniker als auch die Frage, ob und wie sich die weiteren Mitglieder der Gesellschaft mit dem NS-Regime arrangierten oder es aktiv unterstützten. Der Autor zeigt, wie sich ein ursprünglich dicht geknüpftes Netz von Bankiers, Industriellen, Juristen, Wissenschaftlern und Politikern unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Herrschaft veränderte. Varga bietet damit erhellende Einblicke in das Verhältnis von Teilen des wirtschaftlich und intellektuell einflussreichen Frankfurter Bürgertums zum NS-Regime.
Bürgersinn und Nationalsozialismus
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