Die Erzählung Unterm Rad zeigt das Schicksal eines begabten Kindes, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigt, die ihm nicht entspricht, die ihn »unters Rad« drängt. Sie ist die wohl nachhaltigste Anklage gegen das starre Erziehungsritual jener Jahre.
»Mit fünfzehn befand ich mich in einem katholischen Jungeninternat am Niederrhein und war so unglücklich, dass ich am liebsten gestorben wäre. … Ein älterer Mitschüler drückte mir damals Unterm Rad in die Hand und sagte: ›Lies das, es erzählt, wie es hier ist.‹ Er hatte recht. Obwohl Unterm Rad bereits 1906 erschienen war und in einem schwäbisch protestantischen Internat spielte, sprach es von uns. Es beschrieb denselben Terror seitens der Kleriker, Erzieher, Lehrer, dieselben Verzweiflungen von Schülern, die sich trotzdem untereinander brutal quälten, statt eine Revolution zu wagen. Ich habe es verschlungen, danach einen Hesse-Roman nach dem anderen gelesen, als ich alle kannte, wieder von vorn angefangen und den Jüngeren, die zerbrechen wollten, seine Bücher ans Herz gelegt, damit auch sie schwarz auf weiß sehen konnten, daß wir nicht die ersten waren, die diese Art Vorhölle durchlebten.« Christoph Peters






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